M I: Unentschieden im Spitzenspiel

Ausgelassener Jubel über das Ausgleichstor in letzter Sekunde. Die Waldbüttelbrunner Handballer feiern den Schützen Tobias Glöggler. Foto: Anand Anders.

Tobias Glögglers Tor lässt Waldbüttelbrunn träumen

HSC Bad Neustadt – DJK Waldbüttelbrunn 24:24 (12:14)

Es war ein Unentschieden, das sich anfühlte wie ein Sieg. Bis in die frühen Morgenstunden feierten die Bayernliga-Handballer der DJK Waldbüttelbrunn das 24:24 im Spitzenspiel beim HSC Bad Neustadt im Club „Katze“ in der Würzburger Gerberstraße. Denn dass sie am Ende mit einem Unentschieden aus der Halle gehen würden, welches es ihnen ermöglicht, im neuen Jahr weiter aus eigener Kraft Meister zu werden, hätte zweieinhalb Minuten vor dem Abpfiff kaum einer der gut 1000 Zuschauer in der ausverkauften Halle auf dem Schulberg gedacht. Denn da führte Spitzenreiter Bad Neustadt mit 24:21 und steuerte auf Siegkurs.

Umstellung in der Deckung
„Wir haben dann alles auf eine Karte gesetzt, die Deckung umgestellt und mit zwei offensiven Leuten verteidigt“, fasste DJK-Trainer Dusan Suchy zusammen, der Manuel Feitz und Julian Stumpf auf die offensiven Positionen in der Deckung beordert hatte. Das provozierte einige Ballverluste der Hausherren. Trotzdem schien es so, als solle Bad Neustadt den Vorsprung gerade noch so ins Ziel bringen. Zehn Sekunden vor Schluss befanden sich die Gastgeber bei einer 24:23-Führung in Ballbesitz, während die Schiedsrichter wegen eines unmittelbar bevorstehenden Pfiffs wegen passiven Spiels die Hand hoben. Der Ex-Waldbüttelbrunner im HSC-Trikot, Gary Hines, entschied sich in dieser Situation für den Torwurf, scheiterte jedoch an DJK-Keeper Max Feuerbacher.
Den Abpraller brachten Stumpf und Feitz mit schnellen Pässen blitzartig vors HSC-Tor, wo sich Tobias Glöggler als dankbarer Abnehmer erwies und drei Sekunden vor Ultimo zum 24:24-Endstand einwarf. Anschließend fielen die Gästespieler über den Kreisläufer her, der am Boden liegend die Ovationen über sich ergehen lassen musste, während die Gastgeber verständlicherweise etwas sparsam dreinblickten. „Wegen solcher Spiele macht man das alles“, erklärte Waldbüttelbrunns Sportvorstand Winfried Körner am Tag darauf. „Die Jungs haben nie aufgegeben.“
Zur Pause hatten die Gäste noch geführt, weil sie immer wieder in der Lage waren, die Abwehr der Einheimischen auseinanderzudividieren. Nach dem Wechsel fand die Bad Neustädter Deckung jedoch ihre Stabilität. Franziskus Gerr wurde zum immer besseren Vertreter des am Ellbogen operierten HSC-Kapitäns Julian Bötsch – sowohl in der Abwehr als auch vorne auf der Kreisläuferpositionen. „Wir hatten in dieser Phase Probleme“, konstatierte auch Waldbüttelbrunns Trainer Suchy. Neben Gerr setzte bei den Gastgebern auch Max Drude im rechten Rückraum, der auch einmal ein Jahr in Waldbüttelbrunn gespielt hatte, viele Akzente. Mitte der zweiten Hälfte kippte die Partie, Drittliga-Absteiger und Topfavorit Bad Neustadt ging in Führung und hatte schließlich alle Trümpfe in der Hand. Doch in den dramatischen Schlusssekunden gab der Gastgeber den Vorteil wieder aus der Hand.

Entscheidung im Rückspiel?
So gehen die Bad Neustädter mit zwei Punkten Vorsprung ins neue Jahr. „Die haben das schwere Programm in der Rückrunde, wir haben schon bei fast allen Spitzenmannschaft auswärts gespielt. Die haben noch einige Brocken vor sich“, wagte Suchy, dessen Spieler jetzt erst einmal zwei Wochen trainingsfrei haben, einen Ausblick. Gut möglich, dass die Entscheidung um die Meisterschaft erst am letzten Spieltag fällt. Genauer gesagt am 4. Mai 2019, wenn der HSC Bad Neustadt in Waldbüttelbrunn antreten muss.


Die Statistik des Spiels

HSC Bad Neustadt – DJK Waldbüttelbrunn 24:24 (12:14)

Bad Neustadt: Schmidl (1.– 22.), Weber (ab 23.) – Kleinhenz, Fraggis 1, Schmitt 3/1, Hines, Bieger (n. e.), Singwald 4, Drude 6, Kalliske (n. e.), Gerr 7, Leskovec 3.

Waldbüttelbrunn: Feuerbacher, Schöler (n. e.) – Stumpf 1, Wolf 3, Feitz 1, Tendera 4, Glöggler 2, Paul 4/1, Kwiatkowski 7/1, Kirchner 2, Renz, Demel, Meyer.

Schiedsrichter: Abel (Stadeln)/Herpolsheimer (Erlangen-Bruck).

Zeitstrafen: 4:4. Siebenmeter: 1/1 – 3/2. Zuschauer: 1002 (ausverkauft).

Spielfilm: 2:2 (5.), 5:5 (10.), 6:8 (15.), 8:9 (20.), 9:12 (25.), 12:14 (30.) – 14:14 (35.), 17:17 (40.), 19:19 (45.), 22:19 (50.), 23:20 (55.), 24:21 (57.), 24:24 (59:57).

So berichtet Uli Sommerkorn von der Mainpost. Mehr unter:
https://www.mainpost.de/sport/wuerzburg/Handballspieler-Meister-Spiele-Unterhaltung-Tobias-Gloegglers-Tor-laesst-Waldbuettelbrunn-traeumen;art786,10134225

Bericht aus Bad Neustadt:

Zu früh gefreut

Starker Auftritt: Franziskus Gerr (beim Wurf) glänzte als siebenfacher Torschütze. Foto: Anand Anders

Es war alles angerichtet für ein Spitzenspiel, das seinen Namen auch verdiente vor einer proppenvollen, mit 1002 Zuschauern ausverkauften Bürgermeister-Goebels-Halle und einer Atmosphäre und Stimmung, wie man sie auf dem Schulberg schon lange nicht mehr erlebt hat. Dass es in den Schlussminuten dermaßen dramatisch wurde – der HSC rettete einen Drei-Tore-Vorsprung in den letzten knapp drei Minuten nicht ins Ziel – passte zu einer Partie, die zu einer Achterbahn-Fahrt der Gefühle für Spieler und Zuschauer wurde.

Beide Seiden zufrieden

Mit dem 24:24 (12:14)-Unentschieden zwischen dem HSC Bad Neustadt und der DJK Waldbüttelbrunn waren in diesem Bayernliga-Gipfeltreffen letztlich beide Seiten zufrieden, „weil sich an der Ausgangslage für die weitere Saison nichts geändert hat und wir die Herbstmeisterschaft feiern können“, meinte nicht nur Florian Demling, der die Pressekonferenz moderierte. Die zahlreichen Gästefans, die sich mit ihren Trommeln lautstark bemerkbar machten, jubelten im Foyer über den späten Ausgleich. Von Enttäuschung, weil die Halbzeitführung nicht verteidigt wurde, keine Spur.

Die Partie startete ohne größeres Abtasten. Beide Seiten kombinierten gleich mit hohem Tempo, wobei den „Sumpflern“ die Führung durch Julian Stumpf mit dessen einzigem Treffer gelang. Der Spitzenreiter schlug durch seine erfolgreichsten Schützen zurück. Maximilian Drude glich aus. Der im ersten Durchgang überragende Franziskus Gerr, der den Tagesbestwert erzielte und alle seine sechs Würfe vor dem Seitenwechsel erfolgreich abschloss, brachte seine Farben in Führung. Diese hielt nach weiteren Treffern von Konstantin Singwald, Regisseur Maximilian Schmitt und Gerr bis zur 9. Minute (5:4), ehe die Gäste erste Fehler der Einheimischen nutzten und auf 7:5 davonzogen.

Die HSC-Defensive, bei der Gary Hines wieder vorgezogen agierte, bekam nicht den erwünschten Zugriff auf den DJK-Rückraum, der mit schnellen Ballstafetten immer wieder Lücken fand und diese auch nutzte. Da war es aus Sicht des Tabellenführers gut, dass Felix Schmidl einen Siebenmeter von Paul entschärfte (13.), ansonsten aber nicht wie gewohnt parieren konnte und deswegen von Nick Weber abgelöst wurde. Zuvor hatte Gerr mit Doppelpack zum 8:8 ausgeglichen.

Fehlerquote mit Folgen

Doch die Fehlerquote bei den Hannawald-Schützlingen, die doch ohne ihren Kapitän Julian Bötsch aufliefen und Martin Bieger nur pro forma auf dem Spielberichtsbogen listeten, hatte Folgen. Drei Gegentreffer zum 8:11 und der HSC sah sich unter Druck. Chrischa Hannawald beantragte ein Time-out, was aber ergebnismäßig bis zur Halbzeit keine größere Wirkung zeigte. Der Zwei-Tore-Rückstand beim Kabinengang war nicht nur laut HSC-Urgestein Alex Sammetinger („Waldbüttelbrunn war bisher die bessere Mannschaft, die sich weniger Fehler im Spielaufbau geleistet hat und die konsequentere Chancenverwertung zeigte“) verdient.

Stärker aus der Kabine

Zu Beginn des zweiten Durchgangs war es erst einmal umgekehrt. Singwald, Drude und nochmals Singwald brachten den HSC in Führung (15:14), während sich die DJK’er durch Schrittfehler, Kreisübertritte und Fußfehler unnötige Ballverluste leisteten. Die Gäste blieben aber immer in Schlagdistanz. Ärgerlich, nicht nur für die HSC-Trainer, war, dass sich Weber-Paraden nicht positiv auswirkten, weil die Gäste Möglichkeiten zu Nachwürfen eiskalt nutzten, unter anderem durch den hellwachen Linksaußen Felix Wolf, der an alter Wirkungsstätte auftrumpfte.

Überhaupt waren die Außen des Gastes wesentlicher torhungriger, während für den HSC Fraggis nur einmal traf und Gary Hines auf Linksaußen regelrecht „verhungerte“, wenig Würfe nahm, diese nicht unterbrachte, was für den Torjäger mit einer ungewohnten Nullnummer endete. Eine Viertelstunde vor Spielende stand die faire Begegnung, an deren klasse Niveau die Unparteiischen nahtlos anknüpften, beim Stand von 19:19 aufs Messers Schneide, ehe binnen vier Minuten der HSC durch Sprungwürfe von Leskovec und Drude-Doppelpack auf 22:19 davonzog.

Mut zum Risiko wird belohnt

Der Gästeblock wurde jetzt leiser, nach dem Gerr-Treffer zum 23:20 (56.) schien den Gästen die Zeit davonzulaufen. Wolf verkürzte zwar noch, doch der Drei-Tore-Vorsprung, den Leskovec zum 24:21 besorgte, schien vorentscheidend zu sein. Mit dem Mute der Verzweiflung, jetzt mit einer sehr offensiven Deckung, brachten die Waldbüttelbrunner den HSC völlig aus dem Tritt. Und die DJK wurde belohnt: zunächst mit den 22:24 (57.) und ca. 40 Sekunden vor Schluss mit dem 23:24.

Als Hines zehn Sekunden vor Schluss zu einem Wurf ansetzte, wurde der abgeblockt, der Ball auf den durchstartenden Kreisläufer Tobias Glöggler gepasst, der drei Sekunden vor der Schlusssirene zum Ausgleich einnetzte. Grenzenloser Jubel auf der linken Tribünenseite, auf den anderen Plätzen war vorwiegend ein Kopfschütteln angesagt.

Stimmen zum Spiel
Chrischa Hannawald (Trainer des HSC Bad Neustadt): Das war ein unnötiger Punktverlust. Eine Drei-Tore-Führung sollte man in gut zwei Minuten verteidigen können. Meinen Kollegen kann ich daher zum Punktgewinn nur beglückwünschen. Der Mut in den letzten Minuten wurde belohnt. Wir haben in der ersten Halbzeit zu viel zugelassen, andererseits ist dem Gast viel gelungen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns richtig gut zurückgekämpft. Da hat man den Unterschied im spielerischen Potenzial gesehen. Allerdings gehört dazu auch, dass man mit Köpfchen handelt, was in den letzten Minuten nicht der Fall war. Da muss man einfach cleverer sein. Über den ersten Punktverlust bin ich trotzdem nicht enttäuscht. Vor so einer Kulisse kann man nicht enttäuscht sein. Die Stimmung war ganz toll, wofür ich mich bedanken möchte. Wir können jedenfalls mit einem guten Gefühl in die Rückrunde gehen.

Dusan Suchy (Trainer der DJK Waldbüttelbrunn): So kurz nach Spielende fällt eine Analyse schwer, aber den Punkt haben wir uns nach einer überlegen geführten ersten Halbzeit und unserer mutigen Spielweise in den letzten Minuten verdient. Das Ergebnis ist meiner Meinung nach okay, wobei wir in der zweiten Halbzeit, in der sich Bad Neustadt vor allem in der Deckung gesteigert und ihr Torhüter dann besser gehalten hat, zu leichte Ballverluste hatten. Wir nehmen den Punkt gerne mit, möglicherweise wird am Saisonende ja noch der direkte Vergleich entscheiden. Für die Rückrunde bin ich optimistisch, weil wir die starken Mannschaften alle daheim empfangen, beim HSC ist es umgekehrt.

Dieter Schulz (Geschäftsführer der HSC GmbH & Co KG): Der Punktverlust ist ärgerlich, weil er unnötig war. Aber Fehler sind halt auch ein Merkmal im Sport. Aber wir haben insgesamt ein Handballfest erlebt, das Niveau war eines Spitzenspieles würdig und die Spannung sowieso. Unsere Ausgangslage in Bezug auf den angepeilten Aufstieg hat sich jedenfalls nicht verschlechtert.

Winfried Körner (Vorsitzender der DJK Waldbüttelbrunn): Das war ein Punktgewinn, der auf unserer großen Moral basierte. Die Mannschaft hat trotz des Rückstandes immer an sich geglaubt und sich nie aufgegeben. Für den weiteren Saisonverlauf könnte von Vorteil sein, dass wir doch über einen großen Kader verfügen, bei dem wir aus allen Positionen heraus torgefährlich sind. Das sieht beim HSC meiner Meinung nach etwas anders aus. Da darf in Sachen Verletzung oder Sperre nicht allzu viel passieren. Wir wollen jedenfalls das Meisterschaftsrennen spannend halten, einen Aufstiegsdruck sehe ich nicht.

Mario Schill (Fußball-Betreuer des VfL Sportfreunde Bad Neustadt): So ein Spielverlauf ist nur beim Handball möglich, aber das ist ja das Interessante. Beim Fußball holst du in drei Minuten keine drei Tore auf. Als HSC-Fan bin ich nicht enttäuscht, immerhin hat sich die Mannschaft nach leicht verkorkster erster Halbzeit zurückgekämpft und dann ihr wahres Gesicht gezeigt.

Klaus Schilling (Handballfan aus Münnerstadt): Da war ja brutal zum Schluss. Ich war in der letzten Zeit zwar nicht so oft da, aber der Besuch hat sich heute wirklich gelohnt.

André Härder (Kassier des HSC): Der Punktverlust wird durch die Einnahmen und die Wahnsinnsstimmung aufgewogen. Gerade letzteres sollte die Handballfreunde, die nicht so oft da sind, zu einem weiteren Besuch, am besten schon am 26. Januar gegen HT München, animieren. Peter Balthasar

Quelle: https://www.rhoenundsaalepost.de/lokalsport/aktuelles/art2829,705581